#NOlympiaKiel: Verloren und doch gewonnen #nolympia

In Kiel haben rund 20,6% der Wahlberechtigten für Olympia gestimmt, die Wahlbeteiligung lag bei 37,1 %. In Kiel war das Quorum 8% der Wahlberechtigten.
In Hamburg haben 24% der Wahlberechtigten für Olympia gestimmt. Dort liegt das Quorum bei 20%. Dennoch hören wir in Kiel, das die Zustimmung hier größer war als in Hamburg. Aber eigentlich nicht: Relativ gesehen haben in Hamburg mehr Stimmberechtigte für Olympia gestimmt. Aber es haben eben noch mehr Leute gegen Olympia gestimmt.

Was machen wir in Kiel mit den Nicht-Wählern? Wir können sie nicht als Olympiagegner vereinnahmen, weil wir nicht wissen, was sie wollten. Noch weniger aber kann man sie als Olympiabegeisterte eintüten! Es gab sowohl die Möglichkeit der Briefwahl und sie hätten auch zur Wahl gehen können, wenn sie gewollt hätten. Nein, Kiel war nie olympiabegeistert. Der einzige Grund, warum es eine relativ höhere Zahl gegeben hat, war weil aus dem Pool der Nicht-Wähler viel weniger Leute mobilisiert wurden.

Und um mal ein kleines Geheimnis zu lüften: Unser Gesamtbudget belief sich auf 80 € für 3000 Aufkleber. Es gab 3 Mitstreiter und ein einziges Treffen. Das war unsere Gegenkampagne. Neben uns hat die LINKSpartei eine eigene Gegenkampagne gefahren. Im Gegensatz zu Hamburg gab es viel weniger Mitstreiter und auch gar kein Geld. Nicht einmal einen Entwurf von einem Plakat haben wir hinbekommen aus Zeitmangel.

Auf der anderen Seite wurden von Stadt und Unternehmen mehrer Millionen Euro ausgeben, von allen Ecken hingen Werbeplakate, Bankautomaten der Förde Sparkasse spielten Werbung ab, bei der Freiluftoper und auf fast JEDEM Event wurde Werbung gemacht oder ein Zelt aufgestellt.
Die Kieler Nachrichten hat unsere Kampagne kein einziges mal angesprochen, so dass wir in dem Extrablatt überhaupt nicht zu Wort kamen. Nur der NDR meldete sich mehrmals und daher gabs dann auch ein Interview für NDR Info.

Ich habe daraus gelernt, dass wir uns bei den Bürgerentscheiden auf einem Weg befinden, wo Geld ausschlaggebend für den Ausgang sein kann. Sind wir als Bürger nicht in der Lage uns zusammenzuschließen und so Gegenkampagnen zu organisieren, die etwas gegenan stinken, so kann jedes Unternehmen die Stimmen der Bürger kaufen. Das Werkzeug kann so missbraucht werden, wie zuletzt schon versucht bei der Seilbahn über die Elbe in Hamburg.

Auf der Seite der Stadt Kiel konnte man nur zu Abstimmungsinformationen kommen, wenn man die PRO-Olympiawerbung mitnahm. In meinen Augen war das alles gefühlt in höchstem maße illegal. Aber ich bin kein Verwaltungsrechtler. ich meine Information zu Wahllokalen und Wahlwerbung müsste strikt getrennt sein.

Da müssen wir aufpassen, da darf man nicht mehr so kleinkrämerisch sein. Wenn jede Gruppe nur ihr Süppchen kocht, wird es nichts. Hätte uns Hamburg nicht den A…. gerettet und selber so ein deutliches Signal gesetzt, hätten wir jetzt den Salat, weil wir alle nicht richtig imstande waren effektiv zu kooperieren. Zum Teil lag es auch daran, dass viele politisch Aktive zu viel mit dem Thema des Erhalts vom Freibad Katzheide beschäftigt waren. Ich selbst habe dann auch zu kurzfristig diese Plattform geschaffen, weil öffentlich einfach überhaupt kein Widerstand sichtbar war.

Was Bürgerentscheide angeht brauchen wir in Schleswig-Holstein und Hamburg jedenfalls auch starke Regeln, die effektiv das Geld reduzieren, das Unternehmen in Kampagnen bei Referenden stecken dürfen. Sonst können wir das Werkzeug Bürgerentscheid bald vergessen und unsere lokale Demokratie ist massiv bedroht.

Wir haben unser selbst gestecktes Ziel von unter 60% nicht erreicht. Dabei habe ich aber auch nicht mit so wenig Wahlbeteiligung gerechnet. Wie ich schon oben darstellte war die Zustimmung in Kiel trotz millionenschwerer Investitionen geringer als in Hamburg, wenn man es insgesamt betrachtet. Und das sollte man schon tun, wenn es darum geht, wie sehr die Bevölkerung hinter Olympia steht. Bei Wahlen ist das irgendwie anders – da braucht man halt ein Ergebnis und wer halt nicht wählen geht ist selber schuld. Aber wenn das Thema Olympia offenbar ein so hohes Maß an Desinteresse erzeugt, kann man daraus auf keinen Fall eine Olympiabegeisterung ableiten.

Für Herrn Kämpfer ist das ganze bestmöglich ausgegangen. Er hat hoch gepokert, hat sogar das Ergebnis, dass er wollte, muss es jetzt aber nicht umsetzen und geht nicht wirklich als Verlierer vom Platz. Allerdings bleibt ob der Kampagne ein Geschmäckle über. Und die 1,4 Millionen sind jetzt „natüriich im Gulli“, um es mal wie Herr Westerwelle darzustellen.

Ich denke die Gegner von Olympia können ganz gut mit dem Ergebnis leben.

Vergessen wir aber nicht, dass Rom, Paris. Budapest LA uns auch brauchen, weil bei ihnen das Damoklesschwert der Spiele immer noch über den Köpfen schwebt!

Thilo Pfennig

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